logo

Antonia Pietschmann – In den Spuren von Hüfner, Eitberger und Co.

Oberhof ist und bleibt der zuschauerstärkste Weltcup in der Rodelsaison. Wir konnten auch an diesem Wochenende mehr als 8.000 Kufensportfans an der Rennschlitten- und Bobbahn im Thüringer Wald begrüßen und haben nicht nur für den Sport, sondern auch für die gesamte Region und den Freistaat Thüringen eine wertige Vistenkarte abgegeben.“

aus: https://www.insuedthueringen.de/sport/regional/th_sport/sportfwstz/Minschke-sieht-Oberhof-gestaerkt-fuer-WM-2023;art83540,6567039

 

Mit diesen Worten resümierte Präsident des TSBV, Andreas Minschke die Wettkämpfe um die 50. FIL – Europameisterschaft, die am Wochenendes vom 08.02. bis 10.02.2019 auf der Rennschlitten­bahn in Oberhof stattfanden.

Als Zuschauer dieses Sportereignisses konnte ich mich wiederholt über die spannende und ausge­lassene Stimmung freuen. Rodeln ist, wie ich finde, ein Sport zum Anfassen, irgendwie volksnah und absolut sympathisch. So wundert es beispielsweise kaum jemanden, wenn Wendel, Eitberger und andere Größen dieses Sports gelassen an einem vorbeischlendern, während man am Bratwurststand ansteht.

Gerade den deutschen Damen war es am Sonntag gelungen, die ersten drei Plätze unter sich auszu­machen. Lokalmatadorin Dajana Eitberger, die für den RC Ilmenau startete, fuhr dabei auf den drit­ten Rang. Ihre Karriere begann ebenso wie die vieler anderer Topathleten in Oberhof, am dortigen Sportgymnasium.

An diese Kaderschmiede war im Vorjahr auch meine damalige Schülerin Antonia Pietschmann (RC Ilmenau, Jahrgang 2006) gewechselt. Talent, Kampfgeist und der unbedingte Wille, es im Rennro­deln in die Weltspitze zu schaffen, hatten sich bei ihr bereits frühzeitig abgezeichnet. Antonia brach­te alles mit, was sich die Verantwortlichen der Abteilung Rennrodeln nur wünschen konnten. Seit der ersten Klasse sitzt sie bereits auf dem Schlitten.

Es kam folglich nicht von ungefähr, dass wir dieses tolle Mädchen bereits nach der Klasse 5 an die Sportschule verabschieden konnten. Und obwohl es kaum Zweifel an diesem Wechsel gab, so war es für Antonia doch kein einfacher Schritt. Sie war sehr beliebt bei Lehrkräften wie Mitschülern und insbesondere durch die Nähe zu ihren Freundinnen, die sie schon aus der Grundschule kannte, fühl­te sie sich an unserem Gymnasium sichtlich wohl und gut aufgehoben. Stets prägte sie die Klasse durch ihr sonniges Gemüt, ihren Ehrgeiz und ihren Tatendrang. Vielen fiel es schwer, sie gehen lassen zu müssen. Erleichtert wurde ihr der Schritt jedoch durch den liebevollen Rückhalt und den Zuspruch ihrer Eltern. Von Beginn an unterstützten sie Antonia in ihrem Fortkommen und be­gleiteten sie zu jedem ihrer Wettkämpfe.

Umso mehr freute es mich, als ich während des Wettkampfes in Oberhof plötzlich eine Nachricht von Antonias Mutter bekam, in der sie mir mitteilte, dass Antonia bei den Deutschen Meisterschaf­ten (Jugend B) in Altenberg soeben zu Bronze gerast war. Ich beglückwünschte die Eltern und na­türlich Antonia und freute mich wirklich riesig für sie alle. Der Schritt nach Oberhof hatte sich als absolut richtig erwiesen.

Bereits in der Saison 2017/18 war Antonia bei den deutschen Meisterschaften (Jugend C) aufs Po­dest (Rang 2) gefahren und wurde zudem Thüringenmeister, ein Titel, den sie im aktuellen Wett­kampfjahr erfolgreich wiederholen konnte. Top drei Ergebnisse mit der Mannschaft oder im Renn­steigpokal komplettieren diese Erfolgsgeschichte.

Dass am Gymnasium in Oberhof alles etwas anders ist als am Lindenberg, berichtete Antonia ihrer ehemaligen Klasse erst neulich in einem Brief. Während des Verlesens spitzten ihre ehemaligen Mitschüler die Ohren, Augen wurden immer größer. Die Infos zu den kleinen Klassengrößen, den streng geregelten Tagesabläufen und dem Leben im Internat ließen so manchen der Klasse 6b sicher abwägen, ob dieses Leben etwas für ihn sei oder eher nicht. Das ein oder andere Auge wurde dabei zudem ein wenig feucht, da Antonia auch schrieb, dass sie ihre alte Klasse und die Lehrer doch hin und wieder vermisst. Und dieses Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit. So hatte ein von der Klasse zu­sammengestelltes Päckchen mit Grüßen und kleinen Geschenken an Weihnachten auch den Weg nach Oberhof gefunden. Über diese ehrliche Verbundenheit kann man sich nur freuen und hoffen, dass diese auch weiterhin bestehen bleibt. Auf unsere Unterstützung kann Antonia zumindest immer zählen und sei es nur anfeuernd an der Strecke. Ich bekomme jedenfalls eine Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, dass eines Tages meine ehemalige Schülerin in die Spuren von Hüfner, Eitberger und Co. fahren könnte. In diesem Sinne wünschen wir Antonia allzeit schnelle Kufen und ihr und ihrer Familie alles erdenklich Gute für die Zukunft.

 

(S. Gerhardt, C. Mähler und die Klasse 6b)