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Das Schicksal russischer Zwangsarbeiter in Ilmenau

Line Gastinger

Luca Baumgärtner

19. Dezember 2018

-ein Interview von Line und Luca mit Marvin Korn und Nils Bienert-

                                     

 

Warum habt ihr das Projekt gewählt?

Wir finden, dass dieses Projekt unter vielen eines ist, bei denen man wirklich was lernen kann. Außerdem ist es wichtig, etwas über die Geschichte unserer Heimatstadt Ilmenau zu wissen.

 

Was habt ihr bis heute schon gemacht und was werdet ihr noch tun?

Am Montag haben wir als Erstes einen Film über Zeitzeugen aus der Ukraine und Italien gesehen, die nach Deutschland verschleppt wurden. Dienstag waren wir dann im Stadtarchiv von Ilmenau in der Goethepassage. Dort kann man herausfinden, wer überhaupt in Ilmenau als Zwangsarbeiter war bzw. wie viele Menschen. Auch welche Betriebe diese Zwangsarbeiter eingesetzt haben, ist dort nachzuvollziehen. Heute, also mittwochs, tragen wir unsere Powerpoints zusammen, welche die Dinge umfassen, die wir im Archiv selbst gelernt haben. Gerade sind wir dabei, unsere Folien noch einmal zu überarbeiten.

 

Hattet ihr schon etwas Vorwissen zum Thema?

Ein bisschen Vorwissen hatten wir, aber nie hätten wir erwartet, dass es so viele Zwangsarbeiter gab. 13 Millionen in Deutschland ist schon eine riesige Zahl. Es ist schockierend, dass viele heute sehr erfolgreiche Unternehmen wie z.B. Schwarzkopf und Krupp nur durch die Zwangsarbeiter groß werden konnten.

 

Wie ist die Atmosphäre beim Arbeiten an eurem Projekt?

Alles läuft harmonisch ab und es sind viele Schüler dabei, die wirklich ehrgeizig sind und etwas erreichen wollen.

 

Habt ihr im Archiv etwas gelernt?

Auch wenn das Projekt „russische Zwangsarbeiter“ heißt, gab es längst nicht nur Arbeiter aus Russland. Mehr als 1000 Menschen kamen auch aus dem Osten, Frankreich und den Niederlanden. Wir hätten nicht erwartet, dass es sogar freiwillige Arbeiter gab. Sie gingen nach Deutschland, hier gab es wenigstens (wenn auch sehr geringen) Lohn. Die Freiwilligen kamen aber eher aus dem Westen. Die Gefangenen aus dem Osten hatten schnell einen geringeren Wert als sie, weil sie gezwungen worden waren. Anfang der 2000er hatte die Regierung vor, den Zwangsarbeitern Entschädigungen zu zahlen, für das ganze Leid, was sie all die Jahre ertragen mussten. Leider hatten aber viele der Arbeiter ihre Unterlagen zerstört, die nachgewiesen hätten, dass sie in Deutschland gearbeitet hatten. Stalins Motto „Kämpfen bis zum Tod“ hätten sie nämlich dadurch nicht erfüllt, weil sie durch ihre Arbeit keinen Widerstand leisteten. Heute ist also nur noch schwer nachzuvollziehen, wer wirklich hier in Deutschland war. Es wurden nur 1,5 Millionen von 13 Millionen entschädigt.

 

Wie ist eure Einstellung zum Thema?

Wir finden zwar, dass die Menschen unglaublich hart gearbeitet haben müssen und dass diese Schuld nicht wieder gut zu machen ist, trotzdem wäre es ihnen in Russland z.B. vermutlich nicht viel besser gegangen. Dort herrschten Hungersnöte und andere Katastrophen. Das Projekt bringt einen schon unheimlich zum Nachdenken, wie dankbar man den Zwangsarbeitern eigentlich sein muss. Sie haben so viele ihrer Rechte aufgeben müssen und hatten noch nicht einmal die Chance, ihre geborenen Kinder zu versorgen, da nur arbeitende Menschen eine Essenstation bekamen. Beziehungen mit Deutschen waren sowieso untersagt. Die Arbeiter wurden behandelt, als wären das Eigentum der Unternehmen.